Demokratin/Revolutionärin 1848:

Für eine Rolle als Demokratin und Revolutionärin wäre entscheidend, inwiefern und mit welcher Glaubwürdigkeit sie über den Einzelfall hinaus nachhaltig für die demokratische Sache bis zur Niederschlagung der Revolution im Juni 1849 öffentlich einstand und kämpfte oder lediglich dem Zeitgeist folgte.

Vor der Märzrevolution läßt sich bei ihr weder in Wort, Schrift oder gar Tat eine irgendwie geartete demokratische Aktivität feststellen. Ebenso keine Veröffentlichung unter einem der zahlreichen Pseudonyme. Vor allem die in Mainz zugänglichen Zeitungen und Zeitschriften hätten sich angeboten. Zu dem diesbezüglich engagierten Personenkreis gehörte sie nicht. Auch von den im Mainzer Stadtarchiv verwahrten zahlreichen Flugschriften, Anschlagzetteln und singulären Texten läßt sich ihr nichts zuordnen – bis auf die Reaktion eines Militärs, der sich für ihre briefliche Unterstützung vom 30. 4. 48 der im schleswig-holsteinisch/dänischen Krieg kämpfenden Soldaten bedankt (Stadtarchiv Mainz, mog. m. 66:2/23 bzw. 30).

 

Ein im gleichen Faszikel gefundenes Pamphlet v. 8. 3. 1848, mit dem F. Zitz in übler Form auch unterhalb der Gürtellinie angegriffen wird, ist zwar mit den Initialen K. Z. unterzeichnet, soll ihr aber nicht zugerechnet werden. Andererseits hat sie mit ihrer Narrhalladenunziation (s. unten) gezeigt, wozu sie in der Lage ist. Das verweist auch auf die von ihr 1844 in diesem Zusammenhang angesprochene, in ihrem Nachlaß enthaltene, überaus kränkende und vernichtende, ohne Autorenangabe bereits 1836 veröffentlichte Zeitungsrezension eines Gedichtbändchens („Barbiton oder die Stunde der Muse“) des noch jungen L. Kalisch (s. unten). Ihre Urheberschaft ist zwar nicht offenkundig, es handelt sich aber um eine Verfasserin. Stil, Diktion (vgl. unten  ihre Reaktion auf einen Leserbrief) Fundort, “Greifbarkeit“ und weitere Indizien würden durchaus zu ihr passen (NL Zitz, LB Wi.). Das zu diesem Artikel benutzte anonyme Kürzel entspricht dem von ihr bei anderen Gelegenheiten verwendeten. Zutreffendenfalls wären damit die in der Narrhalladenunziation kulminierenden Animositäten Kalisch/Zitz erklärt (s. unten).

 

Entlarvend ist, wann und wie sie diese Rezension in die zur Denunziation führende Auseinandersetzung mit Kalisch 1844 einbrachte: 8 Jahre später! Unter Berücksichtigung aller Umstände ist mit Wahrscheinlichkeit von ihr als Rezensentin auszugehen.

Aber eben dieser Kalisch, das „Rheinland“ mit demokratischer Neigung redigierend, hat die diesbezügliche Entwicklung vorangetrieben (s. im einzelnen zu „Denunziation“). Kalisch wird als "edler Freiheitssänger" beschrieben, der mit "seiner Satire alle Schwächen und Dummheiten geißelte und den K. Zitz wegen seiner freiheitlichen Gesinnung denunziert haben soll“ (Börckel in "Mainzer Geschichte von 1816 bis zur Gegenwart/1890, S. 72/73.) Seine im Vormärz in Mainz erschienenen Bücher, kritisch zum Zeitgeschehen, mit freiheitlichen und demokratischen Gedanken, enthalten die Substanz, welche im Nachhinein und vergeblich - weil nicht vorhanden - für andere Schriftsteller/innen reklamiert wird (s. "Buch der Narrheit" und "Schlagschatten", letztere lt. Börckel - s. o. -...mit einer Fülle geistreicher Sentenzen").

 

Es ist fast zu verstehen, dass sie ihn mit seiner Zeitung in die Abdrift wünschte (s. Ihr Schreiben an die „Neue Mainzer Narrenzeitung“ Nr. 4 v. 1844) Dort sind Gedichte von ihm abgedruckt („Rheinland“ Nr. 7/1837) – Verse außerhalb der gängigen Lyrik, ohne breit ausgefaltete hehre Gefühle, bildungsschwangere Formulierungen und aufgesetzten Ansprüchen, so wie auch in dem von ihr verworfenen "Barbiton.." (s.o). Seine Gedichte erinnern manchmal an Heine, besitzen Witz und Ironie, bringen mit leichter Hand und ohne Bedeutungsschwere demokratische Gedanken ins Spiel. Begreiflich, dass K. Zitz damit nichts anfangen konnte oder wollte.


Wenn gelegentlich angegeben wird, K. Zitz habe demokratische Aktivitäten nach Mannheim „verlagert“ und diesbezüglich in der “Mannheimer Abendzeitung” publiziert (so Stanley Zucker z. B. in: “German Women and the Revolution of 1848...“ , Central European History 13, 1980, S.237-254 - wobei bezeichnenderweise Franz Zitz im Namensregister als Franz Zitz-Halein aufgeführt ist!), so ist das durch die angegebenen Quellen nicht zu belegen. Die angeführten Ausgaben dieser Zeitung beziehen sich so gut wie ausschließlich nur auf das Jahr 1846 und enthalten zu Mainz anonyme Artikel, die sich vorzugsweise beschäftigen mit den Deutschkatholiken, den Jesuiten und Ultramontanen (“Dunkelmänner”), der Schleswig-Holstein-Frage und der Justizreform, mit dem die hessische Regierung den aus der Franzosenzeit rührenden Sonderstatus beim Zivil- und Verfahrensrecht der Provinz Rheinhessen aufheben und für das gesamte Großherzogtum ein einheitliches Recht schaffen wollte.

 

Die Interpretation deutschkatholischer Texte und Gesinnung als demokratisch-revolutionäre Aktivität (s. O. Bock „Kathinka Zitz-Halein..“, lgel-Verlag) ist mehr als kühn, jedenfalls originell: Alle Deutschkatholiken wären demnach potenzielle Revolutionäre gewesen... Hier werden religiöse Kategorien mit Abwendung vom Papsttum in politische umgewertet, ohne von Inhalten und - auch zeitlichen - Zusammenhängen gedeckt zu sein. Die Deutschkatholiken in Mainz blühten auch nach der Revolution  mit ihrer Kultusstätte im “Hospital zum Heiligen Geist”, waren systemkonform und wie schon vor 1848 keineswegs als politischer Verein bei der Obrigkeit geführt (s. unter “Humania” zur Aufzählung der als politisch geltenden Vereine). Begründungsnöte infolge ergebnisorientierter Sicht ersetzen weder gebotene Faktenschlüssigkeit noch Beweisführung.

 

Ist etwas von demokratischem Gedankengut zu finden, dann in redaktionellen Berichten von Versammlungen oder Zusammenkünften der Karnevalisten (s. auch unten zu “Narrhalla”). Eigenständige Äußerungen bzw. klare Stellungnahmen oder Aktivitäten für demokratische Ziele lassen sich nicht nachweisen. Das hätte sich bei den Aktionen der Mannheimer Demokraten und späteren Revolutionären Struve und Hecker aber angeboten.

 

Es ist offensichtlich, dass die Texte aus und zu Mainz verschiedene Verfasser haben. Die Artikel der Mitarbeiter waren nach seinerzeitiger Gepflogenheit nicht mit Namen, sondern lediglich mit einem vorangestellten, persönlichen und stets benutzten Zeichencode versehen, z. B. ** oder x*x usw. Letztlich ist wegen der Anonymität und unterschiedlicher Kürzel keiner der Artikel in den angeführten Ausgaben K. Zitz eindeutig zuzuordnen, was bei den Inhalten und der hier interessierenden Frage aber bedeutungslos ist.

 

Wenn K. Zitz sich als Verfasserin von kritischen Kommentaren zu der geplanten Justizreform entpuppen sollte, so wäre das mehr als verständlich. Immerhin hatte sie ihren Versorgungsstatus (s. unten zu “Vorkämpferin für Frauenrechte”) dem überkommenen, französisch wurzelnden Recht zu verdanken (s. unten zu “Vorkämpferin...”, dort: Magisterarbeit Zehendner mit weiteren Nachweisen). Die geplante Rechtsangleichung wäre wegen dann ggf. in Frage kommenden, auch einseitigen Scheidungen möglicherweise für sie finanziell nachteilig geworden (s. Zehendner a. a. O.). Singuläres, verbrämtes Beharren auf einer persönlich vorteilhaften, überkommenen Versorgungslage oder Widerstand gegen verpflichtende kirchliche Eheschließungen haben mit demokratischem Einsatz wahrlich nichts zu tun.

 

In ihrem Sammelband „Herbstrosen“ von 1846 mit Lyrik und Prosa läßt sich über 300 Seiten hinaus kein demokratisches Engagement finden, aber sehr viel Gefühliges, Naturhaftes, eine Menge eigener Befindlichkeiten – und ein Huldigungsgedicht an das großherzogliche Fürstenpaar. Bei demokratischer Gesinnung wäre eine breite Auswahl entsprechender Texte zu erwarten gewesen. Das ist nicht der Fall.

 

Mit der Übersendung vaterländischer Gedichte an den Großherzog (GH-Hausarchiv D 12 Nr. 50/65) im Jahr 1846 bekräftigte K. Zitz ihre Fürstenverehrung. Diese zeigt sich auch noch in ihren späteren Schriften für die Jugend (z. B. “Das Goldkind...”, Leipzig 1851). Der lyrische Sammelband „Dur- und Molltöne“ von 1859 enthält in über 400 Seiten ähnliche Versproduktionen wie die „Herbstrosen“, mit viel Seelen- und tatsächlichem Adel. Bei den wenigen Reimen mit demokratischen Anklängen sind erstmals bekannt werdende viele Jahre nach den entsprechenden Ereignissen  ohne feststellbare Relevanz für die revolutionärer Zeit.

 

Die politischen Verhältnisse, die in der allgemeinen Presse des Vormärz trotz Zensur - hier in einer Auswahl zeitnah zur Revolution - kursierenden Berichte über die Forderungen des Volkes in Baden v. 12.9.1847 (Stadtarchiv Mz. 66:2/24 Verkündigungszettel Revolution), die Pariser Feierlichkeiten für die Aufstandsopfer (in „Frankfurter Conversationsblatt” v. März 1848, S. 290, insbesondere S. 299), Fröbels Stück „Die Republikaner" („Frankfurter Conversationsblatt" v. Februar 1848, S. 228), Robert Blums Aktionen in Leipzig („Unterhaltungsblätter” 342/1847 v. 10.12. 1847, S. 1364), eine sehr positiv besprochene Veröffentlichung zu den Mainzer Klubisten („Die Klubisten in Mainz", 3 Teile, 1847 bei Brockhaus in Leipzig, von Heinrich König, s. Didaskalia 340 v. 10. 12. 1847 und Mainzer Unterhaltungsblätter Nr. 49 v. 18. 2. 1848), führten bei ihr zu keiner faßbaren Reaktion.

In den Monaten vor, nach und während der Märztage 1848 war sie mit ihren bei verschiedenen Blättern in zahlreichen Fortsetzungen veröffentlichten, nach üblichem Muster mit Herz und Adel produzierten Unterhaltungsromanen sehr beschäftigt („Marianchens erste Herzensregung", die Humoreske „Witwenschmerz", „Der Schloßherr von Villa Hermosa" und „Ein sonderbarer Vorschlag", s. Goedeke, Grundriß Bd. XVII, S. 1842/43). Von der ab 6. 3. 48 die Mainzer und die Bevölkerung der Umlande erfaßten und anhaltenden Begeisterung mit Politisierung in Wort, Schrift und Tat, die sich in allen greifbaren Publikationen monatelang widerspiegelte, zeigte sie sich nicht berührt. Ihre abwertende, öffentliche Reaktion auf einen Briefabdruck spiegelt deutliche Distanz und Abgrenzung zu dem revolutionären Geschehen, auch zur Frauenrolle (s. anschließende Kopien aus „Mainzer Wochenblatt" Nr. 32 S. 308 u. Nr. 33 S. 317 v. 14/16.3.1848).

Die im Überschwang verfaßten Zeilen einer Einsenderin (s.unten) geben die Stimmungslage der Mainzer wieder. F. Zitz wurde als Held gefeiert, die Forderungen des Volkes — u. a. Abschaffung der Zensur — waren erfüllt. Sein Name erschien illuminiert an Gebäuden, eine spontane Sammlung zu seinen Gunsten erbrachte in wenigen Tagen 30.000,- Gulden, die er der Arbeiterschaft zur Verfügung stellte (z. B. Intelligenzblatt für Rheinhessen, Nr.2 v. 10.3. 1848). Als prägende revolutionäre Gestalt wurde er in ganz Deutschland gefeiert, sein Name mit anderen Führern im Kampfruf skandiert: „Hecker, Struve, Zitz und Blum, kommt und bringt die Fürsten um....“. Die Nachrufe in der Presse bei seinem Tod beleuchten die Bedeutung und geschichtliche Wirksamkeit seines Handelns im Vormärz und bei bzw. nach der  Revolution von 1848 – aber auch die Tragik des Scheiterns mit Verlust der Heimat (s. z.B. “Neuer Mainzer Anzeiger” 105/1877).

 

                      Reaktion K. Zitz:

 

 

 Erwiderung zu K. Zitz im nachfolgenden "Mainzer Wochenblatt":

 

Nach zustimmender bis begeisterter und begeisternder Lyrik und Prosa in allen Presseorgangen und nach vorangegangener Veröffentlichung eines Freiheitsgedichtes des Frankfurter Dichterkollegen Friedrich Stoltze („Didaskalia" v. 16. 3. 1848) in gleicher Zeitschrift nun auch von ihr im April ein demokratisches Gedicht ( "(Wahre) Freiheit" s. „Didaskalia“ v. 2. 4. 48), eines von zahlreichen „Freiheit“-Gedichten dieser Zeit aus ganz Deutschland. Dann erst wieder im November 1848 Reime nach dem Tod von Robert Blum („Mainzer Tagblatt“ v. 29.11. 1848) als Chorstimme unter vielen anderen. Mit literarischen und sonstigen Ausdrucksformen unterschiedlichster Art und in den vielfältigsten Publikationen sowie Gedenkfeiern “als Folge beispielloser Betroffenheit” - auch in Mainz - wurde Blums deutschlandweit gedacht. Freiligrath widmete ihm ein Gedicht, sein Schicksal wurde in einem populären Lied besungen (Ralf Zerback in “Robert Blum, eine Biographie”, Lehmstedt-Verlag, 2007). Im Dezember 1848 veröffentlichte K. Zitz im „Mainzer Tagblatt“ die eher verhaltenen Strophen „Märzveilchen“.

Ab Vormärz bis zur Gründung der „Humania“ im Mai 1849 (s. dort) sind bis auf die drei genannten Verse keine als demokratisch oder demokratenfreundlich zu klassifizierende veröffentlichte Texte oder gar Aktionen festzustellen. Nach Wegfall der Zensur wäre ihr jede Meinungsäußerung möglich gewesen.

In redaktionellen Artikeln unterschiedlichster Zeitungen ist von ihr diesbezüglich aber keine Rede (s. Auswertung Presseerzeugnisse unter Fazit). Einige erheblich dem Zeitgeschehen hinterher hinkenden, 1850 bzw. 1859 veröffentlichte Verse sind lange nach Revolutionsende ohne jede Relevanz. Andere haben in Hochzeiten der Zensur mutig ihr Bekenntnis zu Demokratie und Freiheit veröffentlicht, während K. Zitz kein Wort hierfür übrig hatte. Stellvertretend für viele sei der aus seiner Militärzeit im Mainz der 1820er Jahre auch ihr bekannte und 1843 verstorbene Friedrich Sallet genannt, der 1842 in der Schlesischen Zeitung v. 8.11. deutlich Stellung bezog "und auch die Frauen emancipieren wollte"  (ADB Bd.33 S.717ff, Menzel "Deutsche Dichtung..., S. 480f., Lit. Nachlass Breslau 1844).

Ihr „Webergedicht“ vom Februar 1848 („Rhein. Telegraph“, Mainz, v. 20. 2. 48), war Ausdruck der in allen Bevölkerungsschichten und in den unterschiedlichsten Blättern zu fassenden Bestürzung und Hilfsbereitschaft („Mainzer Zeitung“ v. 24.2.48). Allein das „Katholische Sonntagsblatt“ sammelte ab Anfang 1848 für die notleidenden Schlesier bis Ende Juni 1848 mehr als 5000,- Gulden.

K. Zitz war aber bereits 1844 durch nachhaltige Beschädigung der demokratischen Sache hervorgetreten. Sie denunzierte in zwei insistierenden ausführlichen Schreiben an die Regierungsbehörde und direkt an den Großherzog in Darmstadt den für die fastnachtliche Mainzer „Narrhalla" verantwortlichen Redakteur, Ludwig Kalisch, und forderte nachdrücklich das Verbot des Blattes. Grund: „Beleidigung gekrönter Häupter.... man gestattet jenem fremden Burschen (....) Könige und Bürger zu verunglimpfen und zu beleidigen". Der aus Posen stammende Kalisch hatte in der „Narrhalla“ ohne greifbare Personalisierung mit zwei Zeilen eine „Dichtergans“ angesprochen. Das bezog K. Zitz auf sich und formulierte ein aufschlußreiches „Offenes Sendschreiben“ für die „Neue Narrenzeitung“ v. 28. 1. 44, welches wiederum Kalisch zu einer Replik herausforderte usw. K. Zitz beschwerte sich nun heftig über satirische Formulierungen des Kalisch in der gleichen Ausgabe und eine ihr anstößige Karikatur, beides gegen regierende Fürsten und nahm das als Inhalt ihrer Denunziation, die im übrigen eine klare Sprache spricht ( „Mainzer Warte“, s. weiter unten). Kalisch redigierte neben der „Narrhalla“ noch das „Rheinland“, in dem er moderne Autoren wie Heine und von Armin vorstellte (s. Keim in „Kalisch“, S. 32).

Die „Narrhalla" war in Mainz einzige demokratische Publikation, die zwischen 1841 und 1848 in mehr als 50 Ausgaben mit insgesamt knapp 1000 Seiten unter der Narrenmaske in jeder Karnevalskampagne mit Biss, Satire und Humor gegen Fürstentümelei und Kleinstaaterei, gegen Zensur und Gesinnungsschnüffelei, aber für Demokratie und Pressefreiheit agierte. Während "andere Carnevalblätter in jeder Beziehung (als) harmlos" galten, erfreute sich "Narrhalla" besonderer Beobachtung (s. Mainzer Sicherheitspolizei v. Oktober 1844 in Faszikel 070/14787).

Karnevalistische Sticheleien betrafen auch honorige Bürger, niemand war vor Spott sicher, auch nicht die damals in Mainz tätigen bzw. bekannten Schriftstellerinnen Birch-Pfeiffer oder Ida Hahn-Hahn – ohne daß die sich beleidigt äußerten (so z. B. 1844 „Schilderung der Faschingstage“ S. 5, 3. Narrhallalieferung 1844 S. 37: Gräfin Ida Gans-Gans).

Bereits im Jahr 1842 hat ein "Meßfremder" über mehrere Spalten ausführlich über die Qualitäten des Mainzer Karnevals und der "Narrhalla" berichtet - und "dass man in Mainz während der Narrenzeit viel Wahrheit sehen und lernen kann...der Gegenwart ihre eigenen Verkehrtheiten und Abgeschmacktheiten.." zeigt ("Mainzer Unterhaltungsblätter" 1842, S. 171 ff.).

Narrhalla“ bereitete den Boden für die Märzrevolution und begründete den Ruf des politisch-literarischen Mainzer Karnevals (s. Keim in „Kalisch“ u. Archiv der Narrhalla in Stadbibliothek Mainz). Redakteur Kalisch war publizistischer Motor der Bewegung, trat auch mit politischen und kritischen Büchern nicht nur als hervorragender Satiriker, sondern auch als stilistisch brillanter Literat hervor. 1846 wurde eine die Zensur verächtlich machende Karikatur aus der „Narrhalla" in übergroßer Ausführung beim montäglichen Karnevalsumzug mitgeführt und verbrannt (s. „Didaskalia“ v. Februar 1846). 1848 war Kalisch Gründungsmitglied des Demokratischen Vereins und bis zu den Aufständen maßgeblicher Redakteur des ebenfalls von ihm mitgegründeten „Demokraten“. Er schloß sich den bewaffneten Freischaren in der Pfalz an. Laut „Demokrat“ war Fastnacht „die einzige Zufluchtstätte derer, die nach Freiheit der Gedanken und Rede sich sehnten. Maskenfreiheit war die einzige Freiheit, welche den Deutschen geblieben war".

Mit dem zweiten Schreiben an den Großherzog unter Anspielung auf dessen Verwandtschaft mit dem „beleidigten gekrönten Haupt“ hatte K. Zitz Erfolg. Die „Narrhalla" wurde auf dem Höhepunkt der Kampagne im Februar 1844 verboten ( vollständige Dokumentation in „Mainzer Warte", Jg. 1929 Nr. 5/7/8). K. Zitz hätte vielleicht Kalisch bzw. die „Narrhalla“ wegen Beleidigung verklagen können. Der Gerichtsweg war ihr vertraut (u. a. in ihrer Ehesache, Klagen gegen Verleger usw., s. Nachlässe Zitz). Abgesehen von der unklaren „Gans“ und noch unklarerem Beleidigungstatbestand sollte aber offensichtlich die „Narrhalla" und damit die demokratische Bewegung mit der Denunziation getroffen werden. Der von ihr verursachte Schaden war beträchtlich. Neben dem Verbot, Verwarnung und Auflagen für den Verleger (s. Keim in „Kalisch", S. 30/32)) handelte sich der bis dahin eher milde Zensurbeamte in Mainz Ärger ein (s. „Mainzer Warte“ wie oben). Die Schrauben wurden angezogen. Die Leser der „Narrhalla" bemerkten die verordnete politische Zurückhaltung des Heftes (s. „Didaskalia“ v. 25. 1. 1846 zu Narrhalla). Kalischs 1844 gestellter Einbürgerungsantrag wurde abgelehnt (s. Keim in „Kalisch", S. 22).

Die Narrhallaausgaben späterer Zeit wurden von der Mainzer Sicherheitspolizei nur unter besonderen Auflagen genehmigt und besonders kritisch überprüft, aber: "...der Verleger ist nicht für dasjenige fortwährend leiden zu lassen, was Kalisch früher gesündigt hat" (s. Sicherheitspolizei wie oben).

Der eine oder andere verborgen gehaltene Vers oder sonstige Hervorbringungen, erst Jahre nach den behandelten Ereignissen präsentiert oder unveröffentlicht im Nachlaß gelegen, sind als Nachweis für etwaige behauptete aktuelle demokratische Aktivitäten unbrauchbar. Von der Mitte 1848 umgetexteten „Marseillaise“ mit französischer Originalmelodie (s. NL K. Zitz Stadtarchiv Mz.) ist nirgendwo zu lesen, sie blieb stumm, fand offensichtlich kein Publikum, war für die Schublade. Mit blutrünstigem Text gab es ja auch schon das nach Presseberichten fleißig gesungene sechsstrophige Heckerlied, noch heute gelegentlich im Rheinhessischen zu hören. Ebenso unbrauchbar die im „Demokraten" veröffentlichten Artikel (s. unter “Humania") der deutschkatholisch orientierten K. Zitz gegen ultramontanes Gedankengut, weit über die politischen Standorte hinaus jahrzehntelang in der Öffentlichkeit nicht nur literarisch behandeltes Thema. Trotz nahezu lebenslanger Angriffe auf die katholische Kirche suchte und fand sie dort im Alter – bei Mainzer Nonnen – bis zum Tod Herberge und Betreuung.

Fazit:

Die bis in Einzelheiten belegte Denunziation der K. Zitz mit Beschädigung der demokratischen Bewegung im Mainzer Vormärz beeindruckt. Ihr Zeitgenosse, der in Preußen massiv verfolgte und nach Berufsverbot als Professor der Germanistik ausgebürgerte Demokrat Hoffmann von Fallersleben (“Deutschlandlied”) bringt es auf den Punkt: „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant“ (in „Politische Gedichte“ von 1843).

Zeitnah distanzierte sie sich deutlich von der revolutionären Begeisterung. Allein drei nachweisbar – und nur das zählt: - veröffentlichte Gedichte vom April 1848 bis Mai 1849, in der Zeitströmung und im Chor vieler ähnlicher Verse aus der Bevölkerung, sind sicher nicht als erwähnenswerter demokratisch/revolutionärer Einsatz zu werten. Noch viel weniger ist von einer hervorgehobenen Rolle — und schon gar nicht im Vormärz! - zu sprechen. Ihre für den Nachruhm romanhaft konzipierten und Wunschvorstellungen verhafteten Lebenserinnerungen (“Skizzen”) als alleinige Quelle (s. Mecocci in „Mainzer Geschichtsblätter“ v. 11/99) können selbstverständlich keine Beurteilungsgrundlage sein, sind durch Fakten nicht belegbar. Etwaige weitere Verse oder sonstige Texte, unveröffentlicht und/oder ohne nachweisbare Außenwirkung, sind belanglos: Entscheidend ist allein feststellbare Agitation und Aktion in der Öffentlichkeit mit entsprechender Resonanz. Es kann nicht um ihre Meinungen, Absichten oder gelegentliche Äußerungen gehen. Die behauptete und zugeschriebene Rolle mit entsprechendem Gewicht und Wirksamkeit im demokratisch-revolutionären Geschehen wäre mit den üblichen Anforderungen zu beweisen. Das ist nach den ermittelten Fakten nicht möglich. Die Quellenlage ist insofern negativ.

Nacherzählungen der politischen Zeitgeschichte mit Anreicherungen aus ihrer Vorstellungswelt (Meccoci in „K. Zitz": “(sie) schreibt, wie es gewesen sein könnte” ) sind nicht berücksichtigungsfähig. Hier sind anderweitige und detaillierte Quellen, insbesondere die von 1846 bis Revolutionsende umfangreich berichtende zeitgenössische lokale Presse ( komplette Auswertung von 15 im Mainzer Raum erschienenen Zeitungen quer durch alle weltanschaulichen Schattierungen ab 1846 bis Ende der Revolution Mai/Juni 1849 bzw. Beginn ihrer Humania-Aktivität, s. unten) und Dokumentationen von Bamberger und Bockenheimer bis Börckel (L. Bamberger „Erinnerungen“; Bockenheimer „Mainz in den Jahren 1848-49“; Börckel „Mainzer Geschichtsbilder“ u. "Mainzer Geschichte  ab..." wie oben) sowie sonstige zeitnahe Publikationen zur Mainzer Revolution vorzuziehen. Nirgendwo ist ist sie als demokratisch Handelnde zu entdecken - im Gegensatz zur Präsenz der tatsächlich agierenden Personen. K. Zitz hat in der Öffentlichkeit weder mit Wort, Schrift noch Tat positive Spuren im aktuellen demokratischen bzw. revolutionären Geschehen hinterlassen. Die von ihr erträumte und fernab aller Tatsachen in absurder Weise auch aktuell gern zugedachte Rolle – „gleichbedeutend mit Ludwig Bamberger und Franz Zitz!“ (so „regionalgeschichte.net“, Inst. f. gesch. Landeskunde Mz. zu F. Zitz) - hat mit der Realität nicht das geringste zu tun, ist Wunschdenken, ebenso, daß sie auf dem Höhepunkt der Revolution mit Franz Zitz zusammengearbeitet habe: Unkritisch übernommene Phantasien, beispielhaft auch für ähnliche Behauptungen in anderen Publikationen („Schwellenüberschreitungen“, Hrsg. Bland u. Müller-Adams / Zehendner wie unter „Vorkämpferin...“ angegeben , jeweils zu K. Zitz).

 

Publikationen zu K. Zitz, denen es gelingt, ohne Nachweis auch nur einer einzigen Zeile "regen Austausch mit führenden Revolutionären" zu bescheinigen (es sei denn,  der Dankesbrief vom 27. 12. 49 des Franz Raveaux, Sekretär des Straßburger Flüchtlingskomitees, für eine "Humania"-Zuwendung wäre als "Austausch" zu sehen), eine Erfassungsnotiz zur „Ausweisung aus Karlsruhe“ (s. hierzu unter „Humania“, 3. Abs.)  als Nachweis ihrer potentiellen Gefährlichkeit zu interpretieren,  von einem „rechtskräftigen Freispruch“ zu sprechen, obwohl  nie Anklage erfolgte (s.  zu „Humania“, S. 2, 2. Absatz) - und alles auf einer Seite! - können nicht ernst genommen werden (s. O. Bock „Kathinka Zitz“, Seite 79).  Beispiele für Fantasie und Unglaubwürdigkeit in Texten von und über K. Zitz…

 

An der Erhebung von K. Zitz zur Kommentatorin ausländischer Zustände (woher sollte sie die kennen?) im „Mainzer Tagblatt“ (s. „Schwellenüberschreitungen“ u. „regionalgeschichte.net“ zu K. Zitz) zeigt sich das Bemühen um ergebnisorientierte Zuschreibungen bei gleichzeitiger Offenkundigkeit umgedeuteter Fakten besonders deutlich und peinlich: Falls das Kürzel „KZ“ auf sie zuträfe, wäre sie auch Verfasserin einer Polemik zum „Reifrock“ aus der Sicht eines Mannes und hätte von der „außerordentlichen Üppigkeit der Saaten in Holstein“ berichtet (so „Mainzer Anzeiger“ Nr. 132/133/ v. 6/58). Sie wäre dann über Jahrzehnte mit dem ihr eigenen Fleiß und den vielfältigsten Texten für zahlreiche Blätter unterschiedlichster Färbung im deutschsprachigen Raum tätig gewesen. Rätselhaft bliebe die Signatur im Mainzer Anzeiger Nr. 132/133 v. 6/58 zu einem Bericht aus London: T. D. d. K. Z. Aus England telegrafisch depeschiert?

 

Besondere Verdienste hätte sie sich mit der Einbindung bisher unbekannter Mitglieder der Zitz-Sippe in den Journalismus erworben, die nach den Quellenkürzeln ebenso rege und lange wie sie tätig gewesen sein müßten. Eine kleine Auswahl: AZ (Anton Zitz?) - DZ (Dorothea Zitz?) - DAZ (Diana Amalie Zitz?) und nicht zuletzt O.P.A.Z. ...ein schreibender Großvater in der Familie?

 

Das Kürzel "KZ" weist natürlich nicht auf sie, sondern auf die Zeitung hin, der die jeweiligen Artikel entnommen wurden. Unschwer ist das auch aus anderen Zeitungen der 1840er Jahre, beispielhaft aus dem  „Tagblatt“ vom Juni 1848, mit jeweiligen unterschiedlichen Kürzeln als zeitgemäßer Gepflogenheit zu ersehen (s.auch Beilage “Mainzer Journal” v. 12.7.48, insbesondere  "Mainzer Wochenblatt" v. 16. 7. 68 mit Klartext!).  Die kenntliche Zuordnung eines Artikels zum Verfasser war nicht üblich. (z. B. „Mainzer Tagblatt“ v. 9. 5. 49, zweiseitige Beilage zu Nr. 110). Es handelt sich um die „Kölner (auch Kölnische) Zeitung“, seinerzeit aufgrund eines weitverzweigten Korrespondentennetzes umfassender Nachrichtenlieferant (s. Dr. Welke, Zeitungsarchiv Gutenberg-Museum). So ist das auch auf S. 145 des Ausstellungskatalogs "Von Blau-Weiß-Rot zu Schwarz-Rot-Gold" dokumentiert (Beiträge zur Geschichte der Stadt Mainz Bd. 32 v. 1998).

 

 

Ebenso fehlgängig wird K. Zitz für 1859 als – prophetische? - Autorin „einiger Aufrufe bezüglich des preußisch-österreichischen Krieges“ reklamiert – der bekanntlich erst 1866 stattfand (s. demokratiegeschichte.eu, Inst. Gesch. Landeskunde Mz.)!

 

Bei dieser Gelegenheit auch ein Wort zur „unermüdlichen Pflege Verwundeter“ (trotz ihrers hohen Alters und deutlicher Gebrechen?) im Krieg 70/71 („Schwellenüberschreitungen“, s. o.). Nachweisbar ist allein ihre Spende von einigen Paketen Wäsche an den Frauenverein für Krankenpflege („Mainzer Anzeiger“ v. 28. 7. 70). Bei dem zusätzlich zu bereits verliehenen hessischen Sanitätskreuzen im Juni 1872 über Mainz an einem Tag niedergehendem Regen von 111 weiteren wurden die mit ihr 34 erwähnten Frauen wohl als Mitglieder eines Pflegevereins und nicht unbedingt als Pflegende bedacht. Der berichtende Redakteur läßt erkennen, daß kaum diejenigen die Auszeichnung erhielten, welche vor Ort wirklich pflegten...(„Mainzer Anzeiger“ v. 7. 6. 72). Das Sanitätskreuz ist im übrigen kein Orden, vielmehr allgemeines Ehrenzeichen für zivile Verdienste im Kriegsfall. Im preußisch-österreichischen Krieg von 1866 (mit hessischen, also auch rheinhessischen Soldaten) sind karitative Leistungen ihrerseits weder behauptet noch feststellbar.

 

Auf weitere, nicht objektivierbare Zuschreibungen soll hier nicht weiter eingegangen werden, allen gemein ist die Stilisierung dort, wo die Realität nicht hinreicht.

 

K. Zitz erlaubte sich von jeher freien Umgang mit Fakten. Gelegentlich hat sie in Vorworten ihrer Bücher darauf hingewiesen: „Phantasiegegebilde/Freier Spielraum für Phantasie" usw. („Rheinsandkörner”, „Neue" und „Letzte Rheinsandkörner" v. 1851 bis 1854 ). Fränkel wirft ihr mangelnde Faktentreue vor (s. ADB S. 377 Mitte).

 

Die Fragwürdigkeit ihrer Angaben wird exemplarisch deutlich bei dem von ihr beschriebenen Verfahren der Freimaurerloge Alzey. Der Logenbruder F. Zitz war um Rechenschaft gebeten wegen seines Verhaltens gegenüber der Ehefrau: “.....dieser Umstand, den ich nicht veranlaßt, ja nicht einmal gewußt hatte..."(so Zitat K. Zitz in Mecoccis „K. Zitz", S. 48). Es liegt aber die Kopie eines Briefes an den Meister vom Stuhl der Alzeyer Loge vor, in dem K. Zitz bittet, „einer bedrängten Frau zu helfen". Durch diesen Brief ist die Unwahrheit ihrer Behauptung bewiesen (NL Zitz in LB Wiesbaden, Nr. 420).

Weiteres Beispiel: in dem nach ihrem Anspruch der Wahrheit verpflichteten offenen Brief über mehrere Seiten v. 4.12. 1850, betitelt mit “Einige Worte an das Publikum im Allgemeinen” (s. mog. m 3163, Stadtbibl. Mainz) zu den “Verleumdungen” bezüglich ihrer mehr als 13 Jahre zurückliegenden Heirat will sie ihr “Alter genau festgestellt” haben - die Gleichaltrigkeit mit F. Zitz betonend ( s. „Heirat“!). Nach dem Grabstein und anderen Daten hat sie sich hierbei aber um zwei Jahre jünger gemacht – sie ist nicht 1803, sondern 1801 geboren. Das qualifiziert den beanspruchten Wahrheitsgehalt ihrer Darstellung eindeutig! Auf weitere in dieser Schrift enthaltenen und offensichtlichen Unwahrheiten, Schönrednereien und Zuweisungen ist schon deshalb nicht weiter einzugehen, ihre hinterlassenen "Skizzen" sind von gleichem Wert.

Unrichtige Angaben auch zum Ehevertrag (s. zu “Vorkämpferin....”).

Ihre Äußerungen entsprechen (zu) oft nicht der Wirklichkeit, sind unzuverlässig und zweckgerichtet, somit als alleinige Quelle wertlos. Das gilt für alle weiteren, auch andernorts referierte Angaben von ihr.

 

K. Zitz folgte zögerlich der Zeitströmung mit  wenigen und gelegentlichen, demokratisch gefirnißten Reimen aus ihrer sicheren Schreibstube heraus, einige Tropfen im Meer ihrer beliebigen Texte. Hierzu bedurfte es bei der vorherrschenden Stimmung in der Bevölkerung und einer Vielzahl ähnlicher Äußerungen Anderer nach den Märztagen wahrlich keines Mutes. Die für “Humania” (s. unten) entwickelte und von ihr breit dokumentierte Aktivität fehlt im Vormärz und der Revolutionsphase gänzlich, es mangelte offensichtlich nicht nur an Aktion, sondern auch an Identifikation. Demokratisches oder gar revolutionäres Engagement im behaupteten Sinn ist nirgends nachweisbar, vielmehr waren Gesinnung und Handeln antidemokratisch. Die ermittelte objektive Faktenlage ist eindeutig. K. Zitz war für die Entwicklung zu 1848 hin und danach nicht nur bedeutungslos, sondern hat ihr geschadet (s. Zeittafel).

Im rheinhessischen Hochverratsprozeß von 1850 (s. in "Verhandlungen des...") war sie weder angeklagt noch eine der 291 Zeugen (z. B. der Verteidigung), insofern die übrigen Ermittlungsergebnisse zu Distanz und Wirkungslosigkeit in revolutionärer Zeit bestätigend. Dem entspricht, daß K. Zitz in den Akten der Mainzer Sicherheitspolizei von 1844 - 1851 kein einziges Mal erwähnt ist (s. Mainzer Sicherheitspolizei wie oben).

Die minutiös nachgewiesene Denunziation zeigt ohne nachträgliche Zurechtbiegungen ungeschminkt und unmittelbar die wahre Kathinka Zitz. Sie ist damit als angebliche Demokratin/Revolutionärin umfassend disqualifiziert (”Der größte Lump....” s. oben). Daran ändern auch die wenigen, zögerlich veröffentlichte Zeilen nichts, die dem aktuellen Zeitgeist geschuldet waren (s, oben). Von ihrer nachhaltigen Denunziation hat sie sich - soweit feststellbar - nie distanziert, blieb offensichtlich und ohne Bedauern trotz oder wegen Beschädigung der demokratischen Sache davon überzeugt.

Abseits und entgegen aller zugänglichen Fakten findet sich K. Zitz  gelegentlich wie folgt gewürdigt:

"Zusammen mit Ludwig Bamberger war Franz Heinrich Zitz zusammen mit seiner Frau, der Schriftstellerin K. Zitz-Halein, einer der führenden Köpfe der Revolution von 1848/49 in Mainz."

Eine mehr als mutige Beurteilung. Deshalb, weil jeder Beleg hierfür fehlt und K. Z. nur mit Distanz zur Revolution und Denunziation der demokratischen Bewegung bemerkbar wurde. Wer solche Beurteilungen veröffentlicht, hätte die Fakten hierfür nachzuweisen, ansonsten seine Seriosität verloren.

 

 In der Beilage zum "Mainzer Anzeiger" vom 31. 10. 1875 veröffentlichte K. Zitz ein Gedicht, in dem sie den verstorbenen Prinzen Holstein besang und seinen Tod als Verlust für die Menschheit ansah. Der Kommentator des "Mainzer Eulenspiegel" erinnerte daran, daß der Hocharistokrat als Gouverneur der Festung Mainz im Jahr 1870 den Redakteur des "Mainzer Anzeiger" für die Dauer des Krieges ausgewiesen hatte. Kathinka Zitz war sich treu geblieben.