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Ergänzungen:

Auf dem Mainzer Hauptfriedhof steht ihr 2,50 m hoher Grabstein, mit ungewöhnlich umfangreichen Texten gestaltet (rd. 1550 Buchstaben) - ihr für die Nachwelt stilisiertes Bild. Nach vorliegenden Vergleichsunterlagen und sehr zurückhaltender Schätzung sind die Kosten des dem gehobenen Bürgertum entsprechenden Mals mit deutlich mehr als dem Doppelten des im Jahr 1877 erzielten Jahresdurchschnittsverdienstes zu veranschlagen (Meyers Konv.-Lexikon zu Einkommen, Lexikon 88, Bd.5, S. 5384). Mit finanzieller Not der K. Zitz (so unter anderen. „regionalgeschichte.net“, Inst. f. gesch. Landeskunde Mz.) läßt sich ein solcher Stein nicht vereinbaren. Vom Himmel ist er sicher nicht gefallen - und für eine Stiftung Dritter gibt es keinen Anhalt. Aber wie sie selbst formuliert: "Es ist heut ...eine sonderbare Sucht mit den Grabmonumenten...sind diese Denkmäler meistens nur ironische Lügen...die Überlebenden etwas weiß machen wollen" ("Letzte Rheinsandkörner v. 1854, S. 389"). Da hat sie recht. Bestes Beispiel hierfür ist ihr eigener Grabstein.

Die Hinterlassenschaft enthält die von ihr gewünschte Sicht. Von den 6 überlieferten Porträts (NL Zitz, LB Wiesbaden), alle von einem Atelier und wie Fotos wirkend, sind nur 4 Fotografien: Daguerrotypien waren erst gegen Jahrhundertmitte möglich. Von ihr sind die Bilder auf der Rückseite beschriftet. Die früheste Fotografie datiert laut Beschriftung aus ihrem 57. Lebensjahr (Bild Nr. 2). Die beiden anderen Porträts sind von Künstlerhand und offensichtlich später abfotografiert (Bild Nr. 1 und 3). Das junge Mädchen zeigt Ähnlichkeit mit der älteren Frau nicht nur beim Mittelscheitel, sondern auch ausgeprägt in der Mund- und Nasenpartie mit sehr verhaltener Mimik, während die etwas kokett wirkende Salondame mit der kunstvollen Frisur weder auf die eine noch andere Person hinweist. Ergebnis künstlerischer Freiheit oder angestrebter Idealtypus für die Nachwelt?

            

Bild links: Künstlerporträt, rückseitig beschriftet: Kathinka Halein als achtzehnjähriges Mädchen

Bild mittig: Fotografie, rückseitig beschriftet: Kathinka Therese Zitz geb. Halein mit 57 Jahren

Bild rechts: Künstlerporträt, beschriftet: Kathinka Zitz (?) im 33. Jahr, also 1834. Angabe Mecocci/Bock mit 35 falsch

Bild unten: Aus dem Mainzer Nachlaß das wohl letzte Porträtfoto von K. Zitz. Auf der li. Brust sind 2 Dekorationen zu sehen, mit Stift eingemalt. Bekannt ist nur das Sanitätskreuz (s. zu "Demokratin.."  unter Fazit). Ob wie bei den überdeckten Kahlstellen in der Frisur eine verehrende Seele - oder gar sie - etwas Glanz geben wollte?                                                                

 

Beabsichtigter Außenwirkung entgegenstehende Informationen sind in den Mengen unbedeutender Korrespondenz umfassenden Nachlässen nicht zu finden (vor allem kein Wort über ihre Denunziation der Narrhalla, den Zugriff auf Vermögenswerte von F. Zitz, die Finanzierung des Grabmals). Die ihr zugestellten Urteile im Prozeß Zitz/Zitz entgegen der für ein solches Dokument zu erwartenden Sorgfalt ebenfalls nicht. Dagegen liegen aus 1850 Anweisungen vor, wie mit ihrem Nachlaß und Werk umzugehen sei: u. a. solle ein Schriftsteller von Rang (Gutzkow!) den Roman ihres Lebens schreiben – nach ihren “Skizzen”? Honorar sei die Nutznießung hiervon (s. NL K. Zitz in LB Wi. Nr. 16).

K. Zitz arbeitete stets an ihrem Öffentlichkeitsbild, war sehr um ihren Nachruhm besorgt: „Dem Weib muß die Meinung der Welt heilig sein“ (s. „Herbstrosen“). Insofern sind ihre Texte weniger an der Realität, sondern ihren Wünschen und dem jeweils beabsichtigten Eindruck ausgerichtet, in Mengen mit dem Ziel produziert, dauerhaft in Erinnerung zu bleiben. Sie hat sich als auserwählte Dichterin verstanden und präsentiert: „...wurde in Mainz ein Mädchen geboren, dem die Musen bei der Geburt den Weihekuß auf die Stirn drückten“ („Skizzen“, NL K. Zitz in LB Wi.). Passend dazu, den 50. Jahrestag des erstmaligen Abdrucks eines ihrer Gedichte in der Presse feiernd anzeigen und erneut drucken zu lassen („Mainzer Anzeiger“ v. 28. 7. 1870).

Kalisch hat im Zusammenhang mit ihrer Denunziation (s. zu "Demokratin...") aus Kenntnis ihrer Person und Produktion in seiner satirischen Entgegnung hellsichtig "Eitelkeit und Drang nach Unsterblichkeit" diagnostiziert .(s. "Narrhalla" 1844, S. 41).